Meisterbrenner 2004

Hans Reisetbauer, Schnapsbrenner von ganzem Herzen. Er nimmt das beste aus der Natur, die Früchte, und er will all ihr Aroma in die (Schnaps-)Flasche bringen. Dabei duldet er keine Ungewissheiten. Kontrolle ist alles, Perfektion selbstverständlich. Hans Reisetbauer ist nach 2002 auch A la Carte-Meisterbrenner 2004.

Im Brennpunkt der großen österreichischen Schnapswelt, in der Umgebung von Wels, finden wir neben der neuen "A la Carte Meisterbrennerin 2003", Barbara Schosser, und dem Abonnement-Sieger Josef Hochmair auch den Monolithen der Zunft, Hans Reisetbauer. Bescheidenheit, das zeigt auch sein Äußeres, ist nicht seine Zier. Wenn er etwas erreichen will, dann setzt er es durch, und das sind buchstäblich klare Ziele! Über seine Schnaps-Philosophie sagt er: "Die Klarheit im Produkt ist das nachhaltigste, das du machen kannst." Die neuesten Brände, Jahrgang 2002, unterstreichen diese reisetbauersche Evolution. Wir stehen vor drei großen kupfernen Brennkesseln, wie viele Brenner nur einen gerne hätten. Die Technik ist ausgeklügelt und dennoch sehr traditionell. Der gelernte Maschinenbauer Hans Reisetbauer probiert in Kooperation mit dem Hersteller der Anlage ständig neue Komponenten aus, bleibt aber bei der alten Methode des Rau- und Feinbrennens. Auch hier gilt: Kontrolle ist alles. Die Steuerung der Temperatur auf den verschiedenen Ebenen ist ausgeklügelt. Seine Erfahrung lehrte ihn außerdem, wie er mit den einzelnen Früchten umzugehen hat, denn jede verlangt nach einer anderen Behandlung das bezieht sich nicht nur aufs Brennen, sondern beginnt beim Ernten und endet vor dem Abfüllen beim Verdünnen mit speziell enthärtetem Wasser. Das wichtigste Kontrollinstrument eines Schnapsbrenners aber bleibt ein guter Gaumen, und den hat der Hans, einen neugierigen dazu. Hans Reisetbauers Freundschaft mit dem Winzer Bernhard Ott führte schließlich nicht nur zum Transfer bester Marillen, sondern auch zum Bau aufwändiger Gärkessel. Darin kann der Brenner nicht nur die Temperatur der Maische von außen und innen kühlen, sondern mit mächtigen Rührwerken auch für entsprechende Durchmischung sorgen etwas, das vor ihm noch keiner in dieser Konsequenz versucht hat. Das Resultat ist eine noch bessere Erschließung der Aromen. Voriges Jahr kürten wir Hans Reisetbauer zu unserem ersten "A la Carte Meisterbrenner". Den Ausschlag für diese Wertung hab letztlich die Vogelbeere 1999, die er für die Selection Taubenkobel brannte ein Destillat von ungeheurer Dichte und Tiefe. Dass der sympathische Mitdreissiger in seinen Bränden aber nicht nur sein wuchtiges Ebenbild erzeugt, sondern in so gut wie allen Regionen der Destillationskunst zu Hause ist, zeigen seine Trester "Admiral 2000" oder der neue "Il Cuore No. 3 Tenuta Manincor 2001", aber auch feinste Quitten- und Weichselbrände. Zuletzt reussierte Hans Reisetbauer mit dem bisher wohl überzeugendsten "Single Malt Whisky", der jenseits Schottlands gebrannt wurde einzig die rauchige Note fehlt, weil das Darren des Malzes über offenem Feuer in Österreich nicht erlaubt ist. Hans Reisetbauer wäre nicht der große Destillator, würde er die Sache nicht schon an der Wurzel anpacken. Und so pflanzte der Großbauer der auch ohne Brennerei genug zu tun hätte in den vergangenen Jahren fast 15.000 (!) Bäumchen, zuletzt eine Riesenplantage Williams und Rote Williams. Die Pflanzen sind auf spezielle Wurzeln gepfropft, die auf das Klima, die Böden und letztlich den Wuchs angepasst sind. Auch hier soll nichts dem Zufall überlassen werden. Nur die besten Früchte sollen eingefahren werden, und das zum optimalen Zeitpunkt. Wie gesagt, für den besten Schnaps ist Kontrolle alles. (Artikel erschienen in A la Carte Newsletter 2/04)

Ihr Team spiritsmedia