Guide A la Carte 2005

Eine klare Sache war die heurige Destillat-Verkostung nicht in jeder Hinsicht. Der Jahrgang 2003 war bezüglich mancher Fruchtsorten offenbar nicht unproblematisch. Die heiße Witterung brachte etwa Quitten mit deutlich mehr Gerbstoffen hervor. So zumindest stellte es sich für die Verkoster dar, die mit den heurigen Quittenbrände so ihre Probleme hatten während gerade diese Früchte für gewöhnlich sehr zugängliche Destillate ergeben.
Alles in allem aber ist das Gesamtbild der vorliegenden Wertung sehr erfreulich. Unter den "Diamanten" finden sich sämtliche wichtigen Fruchtsorten selbst eine tolle Quitte, die erstmals die Palette von Alois Gölles ergänzt. Allein der Pfirsich hat es im besten Fall nur auf 76 Punkte gebracht, was wiederum unseren Vorbehalt gegenüber der Eignung dieser Frucht für Destillate entspricht. Bei den Top-Brennern gab es erwartungsgemäß wenig Überraschungen. Eine Ausnahme dürfen wir jedoch konstatieren: Robert Oberhofer aus Mils in Tirol hat erstmals teilgenommen und gleich zwei Diamant-Auszeichnungen erhalten!
Haben wir im Vorjahr noch den nicht immer geglückten Einsatz von Fassreifung bemängelt, stellen wir heuer fest, dass unter den eingereichten Proben deutlich mehr ausgewogene Produkte diesen Typs zu finden sind. Und die ebenfalls erwähnte Differenzierung mancher Brenner bei der Einstellung der Alkoholgrade hat sich trendmäßig bestätigt selbst Josef Hochmair, bisher bekannt für leichte Destillate, hat sich sehr erfolgreich in den höheren Bereich gewagt.
Abgerundet wird die heurige Palette an "Diamanten" durch Sorten wie Bramburius (Kartoffel), Bio-Karotte oder Ingwer. Alle drei sind weit mehr als nur ein Gag, sondern entsprechen dem, was sich unser spiritsmedia-Verkosterteam unter einem fruchttypischen, ausgewogenen Destillat vorstellt. Mit dabei waren heuer wieder: Jörg Bretz (Weinbauberater, Gols), Dagmar Groß (Weinbar Tinto Rosso, Wien), Peter Hämmerle (Journalist und Leiter der Verkostung, Wien), Thomas Wachter (Weingut Wachter-Wiesler, Deutsch Schützen) Hannes Zuber sorgte für guten Ablauf und garantierte, dass die Proben anonym verkostet und in drei ganz unterschiedlichen Glastypen serviert wurden. Bedanken möchten wir uns auch ganz herzlich bei der Familie Harkamp, in deren wunderbarem Gasthaus in St. Nikolai im Sausal (Stmk.) wir heuer bereits zum 7. Mal die Destillatverkostung durchführten knusprige Backhendln und der schöne Ausblick haben uns nach mancher schwerer Verkostungsrunde wieder versöhnt.

In diesem Sinne wie immer: spirits!
www.alacarte.at, www.spiritsmedia.at

Eine Doppelseite Schnaps aus dem Guide A la Carte 2005